Objekt des Monats

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

Mai 2026

Schiffsplan, 1930

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Größe

60,9 x 87,4 cm (entfaltet)

Material

Papier

Sammlung

Dirk Langerenken

Historische Einordnung

Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert bezeichnete ein Postdampfer Dampfschiffe, die Post sowie häufig zusätzlich Fracht und Passagiere im Linienverkehr transportierten. Das Objekt des Monats ist der Schiffsplan der „Dresden“, eines solchen Doppelschrauben-Postdampfers des Norddeutschen Lloyd aus dem Jahr 1930.

Der Norddeutsche Lloyd wurde im Jahr 1857 in Bremen gegründet und setzte von Anfang an ausschließlich Dampfschiffe für den Überseeverkehr ein. 1858 nahm die Reederei ihren Liniendienst Bremerhaven - New York auf, 1860 gelang ihr dann der Abschluss von Postverträgen mit England und den USA.
Ab Ende der 1860er Jahre dehnte der Norddeutsche Lloyd sein Liniennetz aus: Regelmäßige Schiffsverbindungen nach Baltimore, New Orleans, Westindien, Brasilien und schließlich Galveston wurden aufgenommen. Die Hochkonjunktur des Norddeutschen Lloyd war von der Hochphase des Imperialismus begleitet, was seine Geschichte eng mit der kolonialen Geschichte verbindet.  Als das Deutsche Kaiserreich seine koloniale Politik weiter durchsetzte, waren Reedereien wie der Norddeutsche Lloyd ebenfalls involviert. Im Jahr 1885 schrieb das Deutsche Kaiserreich subventionierte Reichspostdampferdienste nach Ostasien und Australien aus. Der Norddeutsche Lloyd bekam den Zuspruch und entwickelte sich durch die Aufnahme dieser Dienste 1886 schließlich zu einer Weltreederei.

Allerdings sah sich die Reederei nach dem Ersten Weltkrieg auf ihre Anfänge zurückversetzt: Die Mehrzahl ihrer Schiffe musste als Reparationsleistung an die Siegermächte abgeliefert werden. Die Bestimmungen des Vertrags von Versailles regelten, dass das Unternehmen auf sämtliche größeren Schiffe verzichten musste. Doch nach und nach erholte sich der Norddeutsche Lloyd, baute abermals seine Schiffsflotte aus und etablierte Liniendienste für Fracht und Passagiere – und transportierte auch wieder Postsendungen.
Die Wiederherstellung der Überseeschifffahrt des Lloyd erfolgte zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der United States Mail Steamship Company. Mit vom Reich gezahlten Entschädigungen wurde eine eigene Flotte wiederaufgebaut: 1920 wurde der Verkehr mit Südamerika, 1922 der mit Nordamerika, Asien und Australien wieder aufgenommen.

Die Geschichte des Schiffs

Die „Dresden“ wurde ursprünglich unter dem Namen „Zeppelin“ auf dem Bremer Vulkan gebaut und am 21. Januar 1915 an den Norddeutschen Lloyd abgegeben. Bis zu seinem Untergang im Jahr 1934 wurde das Schiff mehrfach verkauft, für unterschiedliche Zwecke genutzt und umbenannt.

Während des Ersten Weltkriegs war dieses Schiff zeitweise in Bremen aufgelegt, danach musste es als Reparationsleistung abgegeben werden. Die „Zeppelin“ machte wenige Reisen als Truppentransporter für die US-Navy, bevor sie 1920 dann von der Orient Steam Navigation Co. Ltd in London erworben wurde.

Diesmal erhielt das Schiff den Namen „Ormuz“. Im April 1927 schließlich wurde es vom Norddeutschen Lloyd zurückgekauft und in „Dresden“ umbenannt. Am 5. August 1927 führte die „Dresden“ nach einem Umbau ihre erste Reise von Bremerhaven nach New York durch.

1934 war sie eines der ersten Schiffe, das an die NS-Organisation KdF ("Kraft durch Freude") für Urlaubsfahrten mit deutschen Arbeitnehmer:innen verchartert wurde. Auf ihrer Fahrt nach Norwegen lief die „Dresden“ am 20. Juni 1934 vor Utsira auf Grund und kenterte. Vier Menschen starben bei diesem Unglück. Im August 1934 wurde das Wrack der „Dresden“ verschrottet. Die Geschichte dieses Schiffes endet somit im Jahr 1934 unter dem Namen „Dresden“.

Bedeutung des Objekts

Dieser Schiffsplan bildet die Reisebedingungen für Auswandernde um 1930 ab und spiegelt dabei die Entwicklung der Schiffbautechnik dieser Zeit wider.
Unter welchen Bedingungen wanderten die Menschen zu dieser Zeit auf dem Schiff aus? Welche Aktivitäten konnte man auf einer solchen Reise unternehmen? Was war der Unterschied zwischen der ersten und der dritten Klasse beim Auswandern?
Auf dem Schiffsplan sind fünf Decks zu erkennen, die unterschiedlich mit Mehrbettkabinen, Badezimmern, einem Gymnasium, Rauchzimmern, Gesellschaftszimmern, Speisesälen und weiteren funktionalen Räumen ausgestattet sind. Bis ins Detail wurden auch Schränke, Frisierkommoden, Klappwaschtische, Nachttische und weitere Möbelstücke mitgeplant. Der Plan veranschaulicht die Aufteilung der Lebensräume auf dem Schiff und zeigt, wie der Alltag beim Auswandern an Bord ausgesehen haben könnte. Dadurch wird deutlich, inwieweit die Bedürfnisse des Alltags auf dem Schiff erfüllt werden konnten. Informationen wie die geplante Bett- und Passagierzahl verdeutlichen zum Teil auch die Kapazitäten und Organisation der Auswanderungsreisen in diesem Zeitraum.

Haben auch Sie …

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oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de

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