„Neu anfangen, nur wie?"

Espelkamp und andere 'Flüchtlingsstädte' in den 1950er Jahren

Sonderausstellung zum Phänomen „Flüchtlingsstädte“ der 1950er Jahre am Beispiel der nordrhein-westfälischen Stadt Espelkamp: ein Stück Migrationsgeschichte der Bundesrepublik, das selten als solche erzählt wird.

Anlässlich des 75. Geburtstages der Bundesrepublik setzt sich das Migrationsmuseum Deutsches Auswandererhaus in seiner Wanderausstellung mit einer wichtigen Frage der frühen Republik auseinander, die das Leben politisch, sozial und ökonomisch, aber auch künstlerisch und ethisch prägte: „Neu anfangen, nur wie?" Nach den Verbrechen des Holocaust und dem Zweiten Weltkrieg mit weltweit mehr als 70 Millionen Toten fand in der frühen Bundesrepublik meist ein alltägliches Handeln und lebensnotwendiges Planen der Zukunft statt, ohne Rückblick auf die Zeit zwischen 1933 und 1945.

espelkamp_austtellung_uk_8

Die Ausstellung blickt zunächst auf städtebauliche Projekte, die halfen, Millionen aus dem Osten Geflüchtete und Vertriebene sowie Ausgebombte im kriegszerstörten Land unterzubringen. Neben Hannover und Bremen liegt dabei ein besonderes Augenmerk auf der nordrhein-westfälischen Stadt Espelkamp. Die erwuchs in diesen Jahren zu großen Teilen auf dem Gelände einer ehemaligen Munitionsfabrik und einem zugehörigen ehemaligen Lager für vor allem russische Zwangsarbeiter:innen - und erhielt bald den Ruf einer "Modellstadt".

besucher_ausstellung_neu_anfangen_in_espelkamp_copyright_deutsches_auswandererhaus

wanderausstellung_espelkamp_deutsches-auswandererhaus_copyright_deutsches_auswandererhaus_gr

Sie versucht auch konkrete, persönliche Antworten auf die Frage zu geben, wie Geflüchtete und Vertriebene in den 1950er Jahren ihren Neuanfang gestalteten: Interviews mit verschiedenen Generationen aus Espelkamp und einzigartige Objekte aus der ganzen Bundesrepublik, die von der Zeit erzählen, werden zu eindrücklichen persönlichen Dokumenten individueller und kollektiver Neuanfänge.

Die Objekte und Dokumente aus der Zeit reichen dabei von auf der Flucht verwahrten Trachtenelementen bis zu modernen Neuanschaffungen wie einem familieneigenen NSU Quickly Moped. Im Gespräch mit den Zeitzeug:innen und ihren Nachfahr:innen geht es um die Suche nach Ort und Form des persönlichen Neuanfangs wie das nicht-ablegbare „Davor" oder um das Fremdeln zwischen den Ankommenden und den lange Anwohnenden.

espelkamp_impression

espelkamp_fotos

Die Ausstellung wird zunächst in einem der ältesten Gebäude Espelkamps gezeigt, das früher zur Munitionsanstalt gehörte und heute als Kulturzentrum dient: Die Alte Gießerei.

Die Eröffnung wurde am Dienstag, 12. März, von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnet und ist in den folgenden Wochen vor Ort zu sehen. Danach wird die Ausstellung in das Deutsche Auswandererhaus selbst nach Bremerhaven umziehen.

espelkamp_austtellung_uk_1

„Deine Geschichte“

Die Ausstellung ist in dem vom Bundesinnenministerium des Inneren und für Heimat geförderten Ausstellungs- und Bildungsprojekt „Deine Geschichte“ entstanden. Es erprobt in vier partizipativen Sonder- und Wanderausstellungen verschiedene Möglichkeiten, deutsche Migrationsgeschichte(n) auszustellen und Migration als Teil deutscher Geschichte zu präsentieren.

logoskubaddr